Gute Frage. Gegenfrage: Was meinst Du dazu?

Ja, Gegenfragen sind nicht fair. Aber in diesem Falle ist die Gegenfrage unentbehrlich. Tatsache ist nämlich, dass es keine Definition gibt, wonach man erkennen kann, was eine Verbindung ist oder nicht. Nicht einmal der verbindungskritische Teil der Wissenschaft hat bisher eine solche Definition geschaffen.

Für den "Kernbereich" der Verbindungen (also z.B. Burschenschaften, Corps, Landsmannschaften) mag dieses vielleicht auch nicht notwendig sein. Mit der Frage aber, ob die "Studentische Musikvereinigung Blaue Sänger Göttingen im SV" eine Verbindung ist oder nicht, befinden wir uns eben am Grenzbereich des Verbindungswesens. Und gerade da ist es notwendig, sich genau zu fragen, was denn nun eine Verbindung definiert.

Ist eine "Vereinigung" keine "Verbindung"?

Man könnte der Ansicht sein, dass wir keine Verbindung sind, weil wir uns bewusst Vereinigung nennen. Nun, letztendlich können wir damit erstmal nur zum Ausdruck bringen, dass wir anders sind. "Verbindung" heißen nämlich die wenigsten Verbindungen. Selbst unter den farbentragenden Verbindungen gibt es - zumindest dem Namen nach - "Vereine" (z.B. die "Vereine Deutscher Studenten"). Und doch würde ihnen keiner absprechen, eine Verbindung zu sein. Der Name allein macht's also nicht.

"Verbindungstypische" Strukturen bei den Blauen Sängern?

Möglich wäre auch, über einen strukturellen Ansatz an die Frage heranzugehen. Immerhin nehmen die Blauen Sänger nur Studierende als ordentliche Mitglieder auf, die Mitglieder treten zeitnah zum Ende ihres Studiums in den AHV über (genauer gesagt: sie treten aus dem aktiven Verein aus und zeitgleich in einen anderen Verein ein, in dem die ehemaligen Mitglieder zusammengeschlossen sind). Das sind so (scheinbar) typische Strukturen, wie es sie "nur" bei Verbindungen gibt. Und ja: richtig ist auch, dass bei uns hieß dieser Ehemaligenverein tatsächlich noch bis vor kurzem "Altherrenverband" hieß, auch wenn inzwischen ein gehöriger Anteil der Mitglieder Frauen sind (weshalb es aktuell eine Umbenennung in "Philistriertenverband" gab). Und ja, in unseren Semesterprogrammen findet man auch Veranstaltungen wie "Konvent" und "Kneipe" - etwas, was man außerhalb des Verbindungswesens (zumindest als Begriff) nicht findet. Aber wer einmal auf einer unserer Kneipen war, hat sehr schnell festgestellt, dass das nicht die typische Kneipe einer normalen Verbindung ist.

Aber macht die Tatsache, dass es einen Ehemaligenverein, ein alumni gibt, uns zu einer Verbindung? Als Gegenbeispiel sei EL§A erwähnt, die "European Jaw Students' Association" genannt: es ist keine universitäre Einrichtung, sondern ein eigenständiger Verein (wie eine Verbindung), EL§A nimmt nur Studierende auf (wie eine Verbindung), die Mitglieder treten mit Ende des Studiums aus und in einen Ehemaligenverein ein (wie eine Verbindung), und EL§A wirbt darüber hinaus explizit auch mit seinen Kontakten in die Wirtschaft bzw. das Berufsleben (wie man es den Verbindungen ja auch nachsagt). Und ein "Konvent" ist nichts anderes als ein anderer Begriff für Mitgliederversammlung - und die gibt es auch bei EL§A. Dennoch käme keiner auf den Gedanken, EL§A als Verbindung zu bezeichnen. Aber warun eigentlich nicht? Wo sind genau sind die Grenzen?

Band und Mütze und die Stellung zur Mensur?

Manche Menschen beziehen sich allein auf heutige Gegebenheiten und Umstände in den Verbindungen/Vereinigungen. Ihrer Meinung nach erkennt man eine Verbindung z.B. daran, dass ihre Mitglieder "Couleur" tragen, also Band und Mütze. Andere sind der Ansicht, dass nur die Mensur, also das "studentische Fechten", eine wirkliche Verbindung ausmacht. Wieder andere glauben, Verbindungen sind immer und ausschließlich "Männerverbindungen". Frauen-"Verbindungen" oder gemischte "Verbindungen" hingegen seien nur "Clubs", "Kaffeekränzchen" oder schlicht "Vereine", die sich den äußeren Anschein einer Verbindung geben. Nun, nach diesen Ansichten sind wir mit Sicherheit keine Verbindung.

Allerdings muss man auch sagen, dass diese Ansicht histroisch gesehen eigentlich Quatsch ist, denn Frauenverbindungen gab es schon vor dem 1. Weltkrieg, und nichtfarbentragende/nichtschlagende und dennoch anerkannte Verbindungen ebenfalls.

Gibt es eine historische Herangehensweise?

Andere wiederum gehen "historisch" an die Frage heran. Die "Blauen Sänger" haben stets nur Studierende als ordentliche Mitglieder aufgenommen. Sie waren auch stets in den Listen der Georg-August-Universität als Verbindung geführt. Auch der Sondershäuser Verband, dem wir seit 1874 angehören, gilt nach allgemeiner Ansicht als  ein sog. "Verbindungsdachverband". Der Sondershäuser Verband gehörte 1921 auch zu den Unterzeichnern des "Erlanger Verbändeabkommen" unterzeichnet, in dem die Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit der schlagenden und nichtschlagenden Korporierten anerkannt und gegenseitiger Respekt vereinbart wurde. Historisch gesehen wären wir also eine Verbindung

Im Übrigen ist auch der antifaschistische "Burschi-Reader" in Göttingen der Meinung, wir seien eine Verbindung, weil wir nicht bereit seien, uns von unseren "Tradition als studentische Verbindung" zu lösen. Wie das gehen soll, verrät jener Reader allerdings nicht und ist ehrlich gesagt auch uns rätselhaft...

Ja, und was ist mit Eurem Wappen? Und ihr habt doch einen Zirkel, oder?

Ja, das ist richtig. Beides haben wir und beides sind auch Hinweise, Indizien und Gründe, warum man uns wohl - objektiv betrachtet - in die unüberschaubare Gruppe der Verbindungen einsortieren müsste. Aber Vorsicht: Auch ohne Wappen und ohne "Zirkel" kann man eine Verbindung sein. Der AGV München z.B. hat keinen Zirkel als Erkennungszeichen, sondern eine stilisierte Harfe - und ist dennoch eine Verbindung. Die Akademische Vereinigung Kristall Clausthal-Zellerfeld im Schwarzburgbund (SB) hat gar keine Farben und demzufolge nicht mal eine Fahne, geschweige denn ein Wappen. Allein von Wappen und Zirkel auf Verbindnung zu schließen ist also ebenfalls schwierig.

Eine Art Zusammenfassung

Richtig ist, dass wir nicht aus der klassischen Verbindungstradition kommen, sondern aus dem (nichtkorporativen) studentischen Vereinswesen (und wir hießen bis 1935 ja auch "Studenten-Gesangverein"). Richtig ist auch, dass wir seit unserem Bestehen die Dinge immer etwas anders gesehen haben als andere und insbesondere seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts viele von den "verbindungstypischen Traditionen" über Bord geworfen haben. Allein die Tatsache, dass bei uns Frauen ohne Einschränkung gleichberechtigte Mitglieder sind, ist unter den Studentenverbindungen in Deutschland immer noch die große Ausnahme (im Sondershäuser Verband ist es übrigens fast die Regel). Auch betätigen wir uns seit fast 150 Jahren musikalisch, standen also stets auch immer im Blickfeld der Öffentlichkeit, und zwar nicht nur der studentischen. Auch das unterscheidet uns von dem, was man sich üblicherweise unter einer Verbindung vorstellt.

Dennoch sind wir uns nicht nur der weißen, sondern auch und gerade der schwarzen Stellen unserer Geschichte bewusst, und sehen es auch als unsere Aufgabe an, dass verschiedene Dinge nicht in Vergessenheit geraten. Die Blauen Sänger waren in ihrer Vergangenheit eine Verbindung, und nach objektiven Kriterien gemessen sind wir dieses auch heute noch und verleugnen dieses auch nicht, gerade weil wir uns auch weiterhin aktiv unserer Vergangenheit stellen wollen.

Aber wir wissen auch, dass viele Verbindungen heute ihre Traditionen nur der Traditionspflege wegen pflegen. Das wollen wir nicht. Wir haben uns in den letzten Jahrzehnten einen recht kritischen Blick auf Traditionen angewöhnt. Sie sind für uns wie Laternen. Gut sind sie, wenn sie uns helfen, unseren Weg in die Zukunft zu beleuchten, aber wenn sie nur noch da sind, damit wir uns an ihnen festhalten, dann machen sie für uns keinen Sinn.

Grundsätzlich gilt:

Ob wir für Dich eine Verbindung sind oder nicht, ist letztendlich allein Deine Einschätzung und Entscheidung.

Unser Chor

steht auch Studierenden mit weniger Chorerfahrung offen, denn auch ihnen möchten wir die Möglichkeit bieten, im Gesang einen Ausgleich zum Studium zu finden.

Unser Orchester

hat einen Faible für eher selten gespielte und unbekannte Werke aus allen Epochen, macht aber trotzdem um Haydn und Schubert keinen Bogen. Und als einziges der Orchester in Göttingen gibt es bei uns kein Vorspielen.

Unser Theater

bietet die Möglichkeit, sich im darstellenden Bereich auszuprobieren. Denn bei uns stehen die Freude am Spiel und die Sammlung von Theatererfahrung im Vordergrund.

Unsere Big Band

swingt und groovt, was das Zeug hält - und hat gerade beim 8. internationalen BigBand-Contest "Swingin´ Saxonia" in der Kategorie "Amateure" den zweiten Platz gewonnen!

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